Die Künstlerin

Sylvia Baumer

Künstlerin – Master of Organizational Psychology
Dipl-Informatikerin (FH)

Mein Leben ist Veränderung

Ich war ein sehr verträumtes Kind, schüchtern, ängstlich, das gerne Tänzerin werden wollte. Meine Kreativität schlummerte während der Schulzeit im Verborgenen und da gab es niemanden, der sie entdecken wollte. Ich habe allerdings mit Leidenschaft gelesen, besonders Abenteuer- und Fantasy-Romane, Schurken und Helden, Fabelwesen, Hexen und Zauberer haben mich fasziniert und ich habe oft nachts mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke geschmökert. Meine schulischen Stärken waren ganz klar Mathematik und Physik, was mich in Verbindung mit der Schrauberei an dem Motorrad meines damaligen Freundes dazu verleitete, ein Maschinenbaustudium zu beginnen. Ich war keine schlechte Studentin, dennoch fühlte ich mich an der TH Darmstadt unter den vielen männlichen Mitstudenten seltsam verloren und brach das Studium nach 2 Semestern ab.

Um nicht nochmals zu scheitern, wählte ich dann die Beamtenlaufbahn bei der damaligen Bundespost. Sehr zum Entsetzen meiner Eltern habe ich nach 8 Jahren im gehobenen Verwaltungsdienst mein zukunftssicheres Beamtenverhältnis beendet. Die Zeit als Beamtin war durchaus auch schön, angenehm und bequem, aber eben auch in festen und starren Bahnen, einfach zu eng für mich.

Da ich bereits in der IT gearbeitet und an der Fernuni einige Informatik-Kurse belegt hatte, begann ich 1986 ein Informatikstudium, das ich nach 5 Semestern als Jahrgangsbeste abschloss. Ja, darauf war ich sehr stolz! Während des Studiums habe ich gemeinsam mit Michael (mit dem ich auch heute noch verheiratet bin) eine eigene Software für Telefonanlagen entwickelt und vermarktet – so haben wir uns damals unser Studium finanziert.

Als Informatikerin konnte ich mit meiner Kreativität Datenstrukturen gestalten, Datenbanken designen und Benutzeroberflächen gestalten und diverse Projekte organisieren.

Nach einem psychischen Ausnahmezustand und meiner Neu(er)findung ist meine Energie seit 2004 überwiegend in Formen und Farben sowie in die Organisation kultureller Veranstaltungen geflossen. Durch mein paralleles Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie habe ich mir zusätzliche Kenntnisse zu Organisationen angeeignet.

Nach einigen kleinen Skulpturen waren die Arbeiten zu der Aktion „Stühle verbinden“ gemeinsam mit zahlreichen Rödermärker Künstlern für mich künstlerische wie organisatorische Schlüsselerlebnisse. Etliche der von Manfred Blößer und mir gestalteten Stühle fanden großen Anklang und auch die Stuhlaktion zur Verbindung der Stadtteile Urberach und Ober-Roden durch eine Stuhlkette war ein großartiger kultureller Erfolg. Gemeinsam mit anderen Rödermärkern gründete ich 2007 den Verein „Kunst in Rödermark“, dessen Vorsitzende ich seit der Gründung bin.

Als das RödermarkFestival ’07 angekündigt wurde, wollte ich mehrere Figuren schaffen, die zur Stadt passen. Meine erste Idee war ein Apfelmännchen, das natürlich anders aussehen sollte als die Apfelmännchen, die man so kennt. So entstand als Gemeinschaftsarbeit mit Manfred Blößer eine Apfelfigur mit dürren Armen und Beinchen, Händen mit 4 Fingern und einen spitzen Schnabel. Entgegen meiner ersten Intention, die Figur doch von jemandem bemalen zu lassen, der das auch richtig gelernt hat, habe ich sie selbst bemalt – farbenfroh und mit riesigen Augen. Es dauerte eine Weile, bis ich einen passenden Namen gefunden hatte, den man mit Rödermark in Verbindung bringen konnte. Bei einem der Streifzüge mit meinem geliebten Hundemädchen Lisa kam ich dann auf wumboR, der Kombination Rödermärker Stadtteile. Nachdem ich wumboR einigen Personen und auch dem damaligen Bürgermeister Roland Kern vorgestellt hatte, stand fest, dass es bei dieser Figur bleiben würde. Zu der ca. 50 cm großen Figur haben wir eine zweite gebaut, die so groß ist wie ich 🙂

Neben wumboR®, dem Maskottchen der Stadt Rödermark, entstanden zahlreiche farbenfrohe Groß- und Kleinskulpturen, viele Werke sind in Kooperation mit Manfred Blößer entstanden.

Nachdem Manfred seine Prioritäten verändert hat, wie er so schön sagte, war ich einige Zeit auf der Suche nach einem neuen künstlerischen Weg für mich. Es entstanden Objekte aus Buntstiften, Collagen und Metallobjekte, die ich mit meinem Mann gebaut habe. Der Weg führte auch zurück zu Beton, mit dem ich zu Beginn meines Skulpturenbaus experimentiert hatte. So entstanden eine Reihe von lebensgroßen Figuren und ich werde diese Arbeit sicher auch wieder aufgreifen. Besonders lehrreich war eine Weiterbildung bei dem großartigen Betonkünstler Arno Mester.

Bei einem Experiment mit meiner Künstler-Freundin Margit Eder aus Saalfelden habe ich meine Leidenschaft für Ofengeformtes Glas entdeckt, die mich nicht mehr loslässt. Glas ist ein faszinierendes Material, das dem Künstler und dem Kunsthandwerker unendlich viele Möglichkeiten der Gestaltung bietet. Ich habe mich für das Fusing entschieden, bei dem Glas bei Temperaturen zwischen 730 und 850 Grad verschmolzen wird. So lassen sich zugeschnittene Glasplatten, zerstossenes Glas oder auch Glaspuder miteinander verbinden. Die fertig verschmolzenen Objekte kann man in einem weiteren Schmelzgang in sogenannten Absenkformen zu Schalen und anderen Formen verändern. In selbst gebauten Castingformen lassen sich 3dimensionale Objekte und Skulpturen gestalten. Ich verwende überwiegend Glas des Herstellers Bullseye wegen der großen Farbauswahl und der getesteten Kompatibilität des Glases, manchmal arbeite ich jedoch auch mit farbigem Flaschenglas.

Natürlich träume ich von einem großen Glasstudio, aber wie alle meine Arbeiten zuvor, entsteht auch die Glaskunst in unserem Einfamilienhaus in Rödermark. Im Garten steht ein kleines Atelier, in dem ich einige der Objekte zeigen kann.

Meinem Motto „Form in Farbe begreifen“ bleibe ich treu.

Vita

  • Seit 2004 selbständig als Künstlerin und Organisatorin
  • zuvor Tätigkeit als Spezialistin sowie in Leitungsfunktionen mit Personal- und Projektverantwortung in Verwaltung, IT und Finanzdienstleistung
  • IT-Beratung und Produktentwicklung

Aus- und Weiterbildung

  • Diplom-Verwaltungswirtin
  • Studium Supervision & Coaching (FH Frankfurt)
  • Gruppendynamik (Dr. Oliver König)

Kunst

  • Skulpturenbau seit 2004
  • Gründungsmitglied und seit 2007 Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Kunst in Rödermark
  • Weiterbildungen Beton- und Metallskulpturen
  • Teilnahme an zahlreichen Einzel- Gruppenausstellungen
  • Initiatorin und Organisation von zahlreichen kulturellen und Kunst -Aktionen und -Veranstaltungen

Ofengeformtes Glas

  • stetiges Literaturstudium
  • zahlreiche Weiterbildungen im In- und Ausland beispielsweise
    • Helga Watkins-Baker, The Glass Hub
    • Rudi Gritsch, Bildwerk Frauenau
    • Amanda Simmons, Warm-Glass UK
    • Bob Leatherbarrow, Warm-Glass-UK